#32: Pandemie-Weihnachtsgruß

#32: Pandemie-Weihnachtsgruß

Die gesprochene Weihnachtskarte als Podcast-Folge. 2020 in a Nutshell oder warum das Glas trotz allem dennoch halbvoll ist

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Pandemie-Weihnachtsgruß 

Hallo und willkommen zu meinem Podcast „der Karriere-Optimierer“ rund um das Thema Karriere und smartes Arbeiten.

Die heutige Folge ist zur Abwechslung mal wieder kein Interview, sondern ist ein gesprochener Weihnachtsgruß – also ein gepodcasteter Pandemie Weihnachtsgruß 2020!

Schon seit einigen Jahren bin ich davon weggegangen, zur Weihnachtszeit Geschäftspartnern und Freunden eine Weihnachtskarte zu senden, weil ich diesen Brauch mittlerweile als nicht mehr zeitgemäß und Papierverschwendung sehe. Darüber hinaus wird so viel in der heutigen Zeit postalisch durch die Welt geschickt, dass das Nicht-Versenden von Weihnachtskarten darüber hinaus mein kleiner Beitrag zur CO2-Optimierung ist.

Stattdessen habe ich die letzten Jahre immer einen wie ich finde wirklich schönen amerikanischen Brauch angewandt: Sich zur Weihnachtszeit zu besinnen und einen persönlichen Brief zu verfassen mit seinen persönlichen wie beruflichen Highlights und Erlebnissen des Jahres, um nicht nur dem Adressaten zu zeigen, dass man an ihn denkt, sondern auch gleichzeitig ein wenig Mehrwert mit dem Versand zu erreichen. Gleichzeitig war das für mich aber auch die Möglichkeit, mich selbst zu hinterfragen, was ich dieses Jahr so gemacht habe und was mit wiederfahren ist. Dabei erkenne ich jedes Jahr, wie die Zeit gefühlt immer schneller rennt und finde diese Weihnachtsgrüße mittlerweile auch für mich wie ein ganzjähriger Tagebucheintrag.

Und so kam mir in den letzten Wochen, als ich mich mit dem besagten Thema Weihnachtsgruß erstellen befasste die Idee, dass ich es dieses Jahr nicht mehr als Mail verfasse, sondern daraus direkt einen Weihnachtsgruß-Podcast mache.

Und da sind wir nun – mitten in meiner Weihnachtsgruß Podcastfolge!

Ich muss gestehen, dass ich bezüglich dem Jahr 2020 ambivalent gegenüberstehe. Ich kann es nun nicht komplett für die Tonne finden, weil mitten in der ersten Hochphase des Lockdowns meine Tochter zur Welt gekommen ist, für die ich natürlich sehr dankbar bin. Ich war auch zu der Zeit dankbar dafür, dass sie eine Woche zu früh gekommen war, weil eine Woche später ich sonst nicht mehr mit in den Kreissaal gedurft hätte, was ich als Höchststrafe empfunden hätte. Ich habe dabei gemerkt, dass auch mir das erste Bonding an der Stelle wirklich sehr wichtig ist.

Ich gehöre grundsätzlich nicht zu den Menschen, die über alles und jeden meckern – im Großen und Ganzen bin ich mit der Regierungsarbeit unserer Bundesregierung recht zufrieden. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich selbst Großprojekte betreut habe und noch immer betreue und weiß, dass bei neuen Themen, innovativen Herausforderungen und absoluten Challenges in Form von Projekten nie alles richtig geht und funktioniert, weil man es grundsätzlich zum ersten Mal macht. Und eine Pandemie mit dieser Art von existenzieller und somit flächendeckend tödlicher Bedrohung hatten wir bisher so noch nicht. Auch im Vergleich zu unseren EU-Partner und auch im globalen Kontext schlagen wir uns in Deutschland dahingehend sehr gut, was meine Meinung für mich zumindest nochmal untermauert.

Ich kann mit der Maske gut leben und habe mich daran gewöhnt, pauschal die Maske als Aufhänger für den Verlust unserer Freiheit zu symbolisieren lag mir aber von Anfang an nicht.

Das Jahr hat auch bei mir beruflich Spuren hinterlassen – als Trainer im Präsenzumfeld sind mir insbesondere im ersten Halbjahr natürlich viele Aufträge weggebrochen und ich hatte somit wie viele andere Einzelunternehmer auch erstmal zu schauen, wie ich meine Firma aufstelle und somit natürlich auch meinen Lebensunterhalt verdiene.

Ohne zu wissen, wie es im nächsten Jahr weitergeht, kann ich für 2020 jedenfalls sagen, dass ich mit einem blauen Auge davongekommen bin und an sich gestärkt aus der Krise heraus gehe. Allerdings natürlich immer auch abhängig davon, wie lange die Lockdown-Beschränkungen womöglich noch weitergehen.

Was mich diese berufliche Situation gelehrt hat ist, dass ich weniger im Voraus planen kann und sollte, sondern wirklich auch ein Stück weit von Monat zu Monat schauen muss, weil alles andere ist aufgrund der volatilen Situation mit den Ansteckungszahlen und den daraus resultierenden Einschränkungen einfach auch nicht machbar und führt zu einem dauerhaften „Brain-Fuck“, was auch nicht zielführend ist.

Wenn wir gerade beim Thema Learnings sind – aufgrund der Pandemie-Situationen habe ich und ich denke das geht vielen von Euch auch so angefangen, mehr Informationen zu konsumieren – Nachrichtenportale aber auch Twitter, Insta usw. und ich muss erkennen, dass ich selber ein wenig News-müde geworden bin und mich weniger für das bebilderte Leben der anderen interessiere. Vielleicht ist das auch der diesjährigen Besinnung auf das Wesentliche zurückzuführen, aber ich sehe das auch bei meinen eigenen Insta-Accounts gleichermaßen. Die Reaktionsfreude der Follower ist sinkend und ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich der „Gral“ eines Selbstständigen sein muss, permanent auf den sozialen Netzwerken zu senden und sich dabei gefühlt permanent neu zu erfinden. Ein Verkäufer ändert auch nicht jeden zweiten Tag die Schaufenster-Deko. Da bin ich aber – muss ich ehrlich sagen – für mich selbst noch in der Findungsphase.

Verblüffenderweise ist es dieses Jahr dazu gekommen, dass ich mehr zu tun hatte als jemals als Selbstständiger zuvor. Das hatte auch Corona-bedingte Ursachen – zum Beispiel wurde eines meiner Kurse an der Hochschule von Klausur auf Scientific Essay umgestellt, um die Abstandsregeln bzw. die Vorgaben des Gesundheitsamtes zu erfüllen. Somit wurde bei 140 Kursteilnehmern aus einem Multiple Choise Test ein 2000 Wörter langer Essay, der mit einem Gutachten zu korrigieren war. Somit ist ja alleine dadurch erkennbar, wie viel Mehraufwand da ungeplant um die Ecke gekommen ist.

Aber auch Akquise-Tätigkeiten mussten intensiviert werden, das Umschreiben von Trainingsinhalten auf virtuelle Sessions und und und haben ihr Übriges dazu beigetragen.

Ebenfalls Mehraufwand, aber in dem Fall total gewollt und positiv für mich zumindest zu sehen ist der Relaunch meiner Entspannungstherapie-Seite – aus Destress-Coaching wurde Entspannungspunk. Ich habe bewusst mal ein neues flippigeres Konzept gewählt und mich im wahrsten Sinne einmal ausgetobt. Herausgekommen ist eine wie finde sehr persönliche Seite, mit der ich mich total identifizieren kann und die mich stolz macht.

Wenngleich Corona einen großen Kappa-Anteil an Aufmerksamkeit in 2020 gezogen hat, so gab es aus meiner Sicht noch andere Themen, die mich zum Teil sehr berührt und bewegt haben.

Der für mich wichtigste TV-Moment in 2020 war rückblickend die 15 gewonnen Minuten von Joko und Claas, wo sie schonungslos über die Zustände in Moria berichtet haben – mit Facetime-Videoaufnahmen von dort vor Ort „gestrandeten“ Flüchtlingen. Ich saß heulend vor dem Bildschirm und fühlte mich hilflos, bestürzt und gleichzeitig beschämt, dass ich trocken und sicher auf meinem Sofa saß, während in Europa Menschen so behandelt werden und entsprechend so ein Martyrium über sich ergehen lassen müssen während wir wegschauen – mich eingeschlossen.

Mein Erst-Impuls war, in den Keller zu gehen und meine Zeltausrüstung rauszuholen und zu spenden. Das fand ich aber zu kurz gedacht, weil es das Symptom lindert aber die Ursache nicht löst.

Das bringt mich zu meinem zweiten Moment, der wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Das Interview hier für den Podcast mit Pastor Martin Lorenz sollte eigentlich über das Thema Karriere-Sicht als Pastor gehen und war im Nachgang betrachtet eines der inspirierendsten Gespräche für mich der letzten Jahre, für das ich unendlich dankbar bin. Ich habe dabei für mich nochmal neu erkannt, dass alle Menschen auf diesem Planeten gleich sind und somit allesamt das gleiche Recht haben, auf Unterstützung! In Moria gleichermaßen wie hier in Deutschland.

Das hat mir geholfen, meinen Bedarf etwas tun zu wollen und was zurückzugeben besser zu kanalisieren.

Vor knapp einem Jahr war ich für eine Woche geschäftlich in Indien, noch vor der Corona-Zeit fühlt es sich an wie eine Ewigkeit. Wie viel ich aber durch die Eindrücke aus dem Land mitgenommen habe, hat sich mir erst nach und nach in diesem Jahr gezeigt. Diese Demut für das, was wir hier haben, diese Bestürzung was die Corona-Pandemie mit einem Land wie Indien und dessen Infrastruktur macht. Ich denke oft an diese eine Woche Ende 2019 zurück und es hilft mir ungemein, mich selbst zu erden und wieder auf das Wesentliche zu fokussieren.

Und ich erwische mich dabei wie ich denke, dass vielleicht so mancher Querdenker diese Erfahrung in Indien auch brauchen würde, um vielleicht sein eigenes Sein auf diesem Planeten und die damit verbundenen Ansichten nochmal neu zu überdenken!

Diese drei Dinge haben mich in den letzten Wochen – und wer meinen Entspannungspunk-Podcast verfolgt weiß es bereits – dazu bewegt, mich dem Thema Seelsorge zu widmen und hier eine entsprechende Weiterbildung anzustreben, um meinem Wunsch „Menschen in Not zu helfen“ mehr Raum zu geben. Mir ist bewusst, dass dadurch nicht ein Mensch in Moria gerettet wird – aber mit der Ansicht, dass alle Menschen gleich sind ist es dennoch die richtige Art und Weise bei gleichzeitiger Klarheit, dass ich die Ursache der Situation in Moria nicht beheben kann. Wohingegen ich bei der Seelsorge Ursachen auflösen kann und nicht nur an der Symptomatik schraube.

Alles in allem ist das Glas für mich dieses Jahr halb voll – uns geht es bisher gut und wir wurden noch vom Virus verschont, beruflich ist es weiterhin eine Freude als Selbstständiger zu arbeiten und dabei auch die Möglichkeit sowohl als Coach, Trainer, Consultant oder Therapeut Menschen zu helfen.

Ich bin gespannt auf 2021, was es für uns bereithalten wird und hoffe für alle, dass wir gemeinsam diese Pandemie bald hinter uns lassen können und zu einem vielleicht bewussteren, aber dennoch weniger von Angst getriebenen Leben zurückkehren können.

Mein Motto für 2020 war und ist nach wie vor: „Nur weil etwas erlaubt ist, ist es noch lange nicht gut!“

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein besinnliches Weihnachtsfest und selbst wenn gewisse Lockerungen im aktuellen Teil-Lockdown über die Feiertage vorgesehen sind, lasst ein wenig die Vernunft walten und übertreibt es nicht. Man kann das Jahr 2021 auch willkommen heißen ohne Böller und Partys!

Bleibt gesund und habt eine dennoch gute Zeit – macht es Euch schön!

Bis Ende Januar zur neuen und wieder regulären Podcast-Folge vom Karriere-Optimierer

Euer Carsten

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Über den Autor Carsten Meyer-Mumm

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